Qualität im Gewaltschutz
Was macht Qualität im Gewaltschutz aus? Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: weniger Vorfälle, klarere Strukturen, besserer Schutz. Doch Qualität ist komplexer – sie reicht von der individuellen Betreuung Betroffener über die Verankerung von Schutzkonzepten in Organisationen bis hin zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Traumasensibilität und Gewaltschutz
Trauma und Gewaltschutz sind untrennbar miteinander verbunden. Gewalt hinterlässt oft tiefe Spuren, die sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen, sondern auch auf ihr Verhalten, ihre Wahrnehmung und ihre Beziehungen auswirken können. Umso wichtiger ist es, dass Fachkräfte und Unterstützende im Gewaltschutz traumasensibel handeln. Traumasensibilität bedeutet, die oft unsichtbaren Folgen von Traumata zu erkennen, zu verstehen und im Umgang mit Betroffenen bewusst darauf zu reagieren. Sie stellt sicher, dass Betroffene nicht erneut verletzt werden und legt den Fokus auf Heilung und Resilienz.
Schriftliche Schutzkonzepte und Risikoanalysen: Struktur und Orientierung in einem komplexen Implementierungsprozess
Die Erarbeitung von Schutzkonzepten ist in der Regel ein langfristiger, vielschichtiger und dynamischer Vorgang, der von zahlreichen Herausforderungen begleitet wird. Einrichtungen des Sozialwesens stehen vor der Aufgabe, klare Strukturen zu schaffen und gleichzeitig flexibel auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren zu können.
10 Gründe, ein Gewaltschutzkonzept mit den Mitarbeitenden zu beginnen
Inspiriert durch eine Frage, die ich häufig gestellt bekomme („Wie sollen wir eigentlich mit der Umsetzung eines Gewaltschutzkonzept anfangen?“) und meine übliche Antwort („Mit den Mitarbeitenden!“) war ich für diesen Monat inspiriert, mich diesem Thema einmal ausführlicher zu widmen und 10 Gründe zu nennen, warum ein Gewaltschutzkonzept mit den Mitarbeitenden in die Praxis umgesetzt werden sollte.
Menschenrechte in Gewaltschutzkonzepten – Chancen und Herausforderungen
Seit den 1990er Jahren werden Menschenrechte in Bezug auf Soziale Arbeit im deutschsprachigen Raum diskutiert, und das nicht ohne Kontroversen. Gegenstimmen befürchten zum einen eine Überforderung von Sozialarbeiter*innen und eine „Trivialisierung“ von Menschenrechten, da es Menschen anderswo ja „schlechter gehe“. Ich möchte hier aufzeigen, warum und wie wir Menschenrechte für die Soziale Arbeit nutzen können und warum sie insbesondere das Fundament für Gewaltschutzkonzepte liefern.
Gewaltschutz & Empowerment
In diesem Artikel möchte ich mich mit dem Zusammenhang von Empowerment und Gewaltschutz beschäftigen: damit, warum Empowerment in einem Gewaltschutzkonzept zur Sprache kommen sollte. Der Begriff Empowerment ist in den letzten Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Diskurses um Soziale Arbeit geworden, und dennoch fehlt gelegentlich eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema. Aus diesem Grund möchte ich hier auch die Frage nach der "Schattenseite" dieses Begriffs aufwerfen und darüber nachdenken, ob Empowerment-Ansätze sinnhaft sind, ohne den Rückbezug auf Themen sozialer Gerechtigkeit.
Epistemische Gewalt
Seit vielen Monaten spreche ich auf Veranstaltungen und poste online über epistemische Gewalt. Ich erkläre, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und welchen Nutzen er hat: für das Sozialwesen im Allgemeinen und die Arbeit im Gewaltschutz im Speziellen. Diese Interaktionen haben mir gezeigt, dass dieser Ausdruck im deutschen Sozialwesen noch lange nicht gängig ist. Die Reaktionen auf den Begriff sind jedoch meist positiv.
Ich möchte in diesem Artikel eine Lanze für diesen Begriff brechen, dazu anregen, ihn zu einem festen Bestandteil unseres Vokabulars zu machen und ihn in seiner Bedeutung der strukturellen Gewalt gleichzustellen.
Gibt es unlösbare Probleme im Gewaltschutz
Ich komme in meiner Arbeit mit sehr unterschiedlichen Akteur*innen des Sozialwesens zusammen. Dementsprechend variieren die Themen unserer Zusammenarbeit. Ein Thema, das allerdings in fast jeder meiner Interaktionen mit Klient*innen auftaucht, ist die Frage nach einer Reihe von schwer lösbaren Problemen.
Rezension: Haltung. Ein Praxisbuch für mehr Professionalität im pädagogischen Alltag
Haltung ist eines jener heimtückischen Worte, dessen Bedeutung scheinbar jede*r kennt, doch zugleich würden die meisten Personen stutzen, sollten sie definieren, was eine Haltung ausmacht. Der Begriff ist vielschichtig, diffus und sperrig. Haltung ist irgendwie „alles“ und damit wird sie nicht greifbar. Zugleich gilt sie für die pädagogische Arbeit als unverzichtbar.
In ihrem Buch geht Katrin Halfmann dem Begriff auf die Spur und zerlegt ihn in seine Bestandteile, um ihn für uns greifbar, transparent und anwendbar auf die Praxis zu machen. Dabei greift sie regelmäßig auf Theorien von Friedemann Schulz von Thun zurück und füllt diese mit Beispielen aus der pädagogischen Arbeit.
Rezension: Fehlerkulturen in der Sozialen Arbeit
Diskussionen über Fehlerkultur(en) sind nicht neu, doch in der Sozialen Arbeit wurde bisher wenig systematisch zu diesem Thema geschrieben. Fehler im Kontext der Sozialen Arbeit können sehr schnell eine gefährliche Dynamik annehmen. Sie können zur Bedrohung für die Gesundheit oder gar das Leben der Adressat*innen Sozialer Arbeit werden. Besonders schmerzhaft konnten wir das in den uns allen bekannten Fällen von Kindern erleben, die trotz Interventionen durch Jugendämter an den Misshandlungen durch die eigenen Eltern verstarben. Doch auch in weniger schlimmen Fällen führen Fehler dazu, dass Menschen mit einem Hilfebedarf nicht angemessen versorgt und/oder betreut werden. Zu komplex scheint das Sozialwesen zu sein, mag man denken, um systematische Herangehensweisen zu erarbeiten. Umso erfreulicher ist der vorliegende Sammelband, der sich genau an diese große Unternehmung heranwagt.
Fachkräftemangel und Gewaltschutz
Der Fachkräftemangel in den SAGE-Berufen ist allgegenwärtig: Gründe wie kritische Arbeitsbedingungen, unangemessene Bezahlung und geringe soziale Wertschätzung führen zu chronischem Stress. Diese Situation ist nicht neu und wurde über Jahre hinweg vorhergesagt, doch inzwischen hat sie eine kritische Schwelle erreicht. Einrichtungen müssen schließen, und die Gesellschaft scheint von dieser Entwicklung überrascht zu sein, obwohl die Warnungen seit langem ausgesprochen wurden. Der Mangel an Fachkräften zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre, ohne dass sich entscheidende positive Veränderungen abzeichnen.
Was ist Adultismus?
Der Begriff Adultismus stammt vom englischen „adultism“, abgeleitet von „adult“ für Erwachsene. Mit der Endung -ismus kennzeichnet es ein gesellschaftlich verankertes Machtsystem. Adultismus beschreibt die Machtungleichheit zwischen Menschen unterschiedlichen Alters, meistens zwischen Erwachsenen und Kindern, kann aber auch auf Minderjährige unterschiedlicher Altersstufen übertragen werden. Im deutschsprachigen Raum ist das Konzept bisher wenig verbreitet, bietet jedoch wertvolle Einsichten in den Entstehungskontext von Gewalt.
Gewaltschutz und Intersektionalität
Das Konzept der Intersektionalität hat seinen Ursprung in den USA der 1980er Jahre, doch erst im letzten Jahrzehnt hat es das Thema in die deutsche Öffentlichkeit geschafft. Entwickelt von der US-amerikanischen Jura-Professorin Kimberlé Crenshaw, ist das Konzept auch für die praktische Arbeit im Sozialwesen von enormer Bedeutung.
Trauma und Inkonsistenz
Ein alarmierend geringer Anteil an Straftaten im Bereich Körperverletzung und sexueller Übergriffe wird zur Anzeige gebracht, und noch weniger Fälle führen zu Verurteilungen. Viele Opfer geben an, sie hätten nie Anzeige erstattet, wenn sie gewusst hätten, welche Belastungen ein Strafverfahren mit sich bringt.
Sekundärtraumatisierung
n den Diskussionen über Täter:innen wird häufig darüber gesprochen, dass Menschen gezielt Tätigkeiten im Sozialwesen annehmen, um Nähe sowie ein Vertrauensverhältnis zu potentiellen Opfern aufzubauen. Die andere Seite der Medaille sind Personen, die aus entgegengesetzter Motivation diese Berufe wählen und um diese soll es in diesem Artikel gehen. Die sozialen Berufsfelder sind dadurch gekennzeichnet, dass sie gezielt von Menschen mit hohem ethischen Bewusstsein und viel Empathie gewählt werden - Menschen, die idealistisch sind und dazu beitragen wollen, dass marginalisierte Personen oder solche in kritischen Lebenslagen besser versorgt werden. Aus diesem Grund sind die Bedürfnisse der Mitarbeitenden aus einem Gewaltschutzkonzept nicht wegzudenken.
Recht auf Internet?
„Warum stehen die da herum? Haben die denn nichts zu tun? Natürlich haben die alle neue Handys!“ Die Stimme reißt mich aus meinen Tagträumen. Automatisch gleitet mein Blick aus dem Fenster auf den Gehweg vor der Mall einer deutschen Großstadt. Gruppen junger Männer haben sich im Eingangsbereich versammelt, die ich – wie meine Mitreisenden – automatisch für Geflüchtete halte. Sie sind in Gespräche verwickelt, während sie auf ihren Handys herumtippen, einige haben ein Headset im Ohr. Mir liegt es auf der Zunge: „Sie haben nur hier Internet. Nur hier können sie chatten, sich nach der Situation in ihrer Heimat erkundigen, mit ihren Eltern sprechen.“ Doch ich zögere kurz, und die beiden Damen sind bereits aufgestanden und haben den inzwischen stehenden Bus verlassen.
Ebenen von Gewaltprävention
Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff Prävention Maßnahmen, um das Eintreten eines unerwünschten Vorfalls zu verhindern. Präventionsmodelle jedoch umfassen alle Phasen eines (Gewalt-)Vorfalls: den Entstehungskontext, den Ablauf und die Betreuung danach bzw. die Aufarbeitung. Dieser Artikel beschreibt das theoretische Modell der Gewaltprävention und möchte aufzeigen, wie diese Präventionsformen in den Einrichtungen des Sozialwesens aussehen können.
Formen von Gewalt
Gewalt ist ein Phänomen, das in vielen wissenschaftlichen Disziplinen erforscht wird. Während Philosophie und Politikwissenschaft darauf abzielen, sich dem Begriff abstrakt zu nähern, und in der Psychologie versucht wird, die Entstehung von Gewalt durch Individuen zu verstehen, braucht es in der Sozialen Arbeit ein praxisorientiertes Gewaltverständnis. Im Sozialwesen tätige Menschen, vor allem diejenigen, die sich mit Gewaltschutzmaßnahmen auseinandersetzen, stehen vor der Herausforderung, auf konkrete Gewaltvorfälle zu reagieren oder sich Gedanken zur Prävention zu machen.
Rezension: Gewaltschutz in Geflüchtetenunterkünften – Theorie, Empirie und Praxis im Sammelband
Frisch erschienen im Transcript Verlag ist der Sammelband „Gewaltschutz in Geflüchtetenunterkünften. Theorie, Empirie und Praxis“, herausgegeben von J. Olaf Kleist, Dimitra Dermitzaki, Bahar Oghalai und Sabrina Zajak. Neben der Einleitung finden wir elf Aufsätze, die unterschiedliche Aspekte rund um den Gewaltschutz in Einrichtungen für Geflüchtete beleuchten. Die Themen reichen von der Analyse von Konfliktpotenzialen in den Unterkünften über verschiedene besonders schutzbedürftige Bewohner*innen (Traumatisierte, LSBTI, Kinder) bis hin zu Maßnahmen des Gewaltschutzes wie Monitoring und Beschwerdemanagement.
Gewaltschutz in der Kinder- und Jugendhilfe
In den letzten Jahren kamen viele Skandale über Missbrauch in verschiedenen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe ans Licht. Diese Skandale erschütterten das ganze Land und lösten zurecht heftige Diskussionen aus. Sie zeigen aber auch eine positive Entwicklung: Das gesellschaftliche Klima hat sich so gewandelt, dass Überlebende den Mut haben, über das ihnen Widerfahrene zu sprechen. Solche Verbrechen gab es schon immer, doch heute erfahren Betroffene zum ersten Mal genug Wertschätzung, um darüber zu berichten.