Warum Gewaltschutz?
Menschen, die auf das Sozialwesen angewiesen sind und/oder seine Einrichtungen nutzen, sind oft besonders verletzlich. Sie befinden sich in Abhängigkeit von diesen Systemen. Gerade in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete, in Einrichtungen der der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe, entsteht ein besonderes Schutzbedürfnis.
Ein effektives Gewaltschutzkonzept sorgt dafür, dass alle Beteiligten – sowohl Nutzer:innen als auch Mitarbeitende – besser geschützt sind.
Es gibt selten nur einen Grund, sich für die Implementierung von Schutzmaßnahmen zu entscheiden. Oft ergeben sie sich aus einer Mischung aus innerer Motivation und äußeren Gegebenheiten.
Schutz gewähren
Menschen, die in sozialen Einrichtungen oder Unterkünften für Geflüchtete leben oder betreut werden, befinden sich in besonderen Lebenssituationen, die sie besonders gefährdet machen. Gewaltschutzkonzepte zielen darauf ab, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Ein umfassendes Konzept schließt alle Personengruppen ein: Betreute Menschen, Besucher:innen, Mitarbeitende aller Berufsgruppen, Ehrenamtliche und Externe – sowohl als potenzielle Opfer als auch als mögliche Ausübende von Gewalt. Der Schutz von Mitarbeitenden bedeutet nicht nur, sie vor Gewalt zu bewahren. Viele Mitarbeitende leiden psychisch und physisch, wenn betreute Personen verletzt werden, was zu einer Abwärtsspirale innerhalb der Einrichtung führen kann. In Krisenzeiten sind resiliente Mitarbeitende besonders wichtig. Die Sicherheit der Mitarbeitenden als zentrales Anliegen zu machen, hilft auch, die in belastenden Arbeitsfeldern oft hohe Personalfluktuation abzufedern.
Gesetze einhalten
Für die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Eingliederungshilfe sind Schutzkonzepte gesetzlich vorgeschrieben, für Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete (auf Bundesebene) noch nicht. In einigen Bundesländern gibt es verpflichtende Konzepte, jedoch fehlen oft Kontrollmechanismen und Aufsichtsbehörden.
Auf internationaler Ebene wird zunehmend gefordert, dass Länder – darunter auch Deutschland – die Rechte vulnerabler Gruppen besser schützen. Ein gut aufgestelltes Schutzkonzept bereitet Ihre Einrichtung auf zukünftige gesetzliche Anforderungen vor und mindert den Handlungsdruck bei Neuerungen.
Abläufe optimieren
In Krisensituationen fällt es schwer, sofort rational zu handeln. In solchen Momenten ist es wichtig, auf eingeübte und vertraute Abläufe zurückgreifen zu können. Es geht dabei nicht nur um Flussdiagramme in Ordnern, sondern um gelebte Reaktionsketten aller Mitarbeitenden.
Gewalttaten sind nicht immer große Skandale mit Blaulicht und Polizei, sondern oft subtilere Vorfälle, die für Unsicherheit sorgen. Verdachtsfälle, Gerüchte oder ein vages Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmt, stellen große Herausforderungen dar. Ein Gewaltschutzkonzept bietet in diesen Situationen Handlungssicherheit, Orientierung und eine klare Richtschnur für alle Beteiligten.
Einrichtung schützen
Skandale und Missstände können das Vertrauen in eine Einrichtung schwer beschädigen oder sogar zerstören. Eine klare Kommunikationsstrategie nach Vorfällen hilft, Schockstarre und weitere Fehler zu vermeiden. Diese proaktive Haltung zeigt, dass Gewaltschutz nicht nur Prävention, sondern auch den professionellen Umgang mit Vorfällen umfasst.
Auch wenn Missstände ans Licht kommen, die von früheren Leitungen zu verantworten sind, ist es Aufgabe der aktuellen Verantwortlichen, bei der Aufklärung zu unterstützen und souverän zu bleiben.